Warum fressen Pferde Kräuter?

Instinkt

Als unsere Pferde noch in freier Wildbahn unterwegs waren, hatten sie Zugang zu einer abwechslungsreichen Ernährung, die auch viele Wildpflanzen und Kräuter beinhaltete. Sie wussten instinktiv, was ihnen gut tut und was ihnenschaden könnte. Dieses Verhalten kann man auch heute noch bei vielen Pferden in "freier" Wildbahn beobachten, auch in Europa zB in bei den Dülmener Wildpferden. Vielen unbekannt, auch Rinder, Schafe, Ziegen auf Almweiden und anderem natürlich gewachsenen Weideterrain "wissen" noch um diese Art der Selbstmedikation.

Wildpferde sind es von Natur aus gewohnt, bei Bedarf große Strecken zu Futterplätzen zu überwinden. Unsere domestizierten Pferde führen ein viel ruhigeres Leben, ihr Zugang zu einem natürlichen Weidegrund mit abwechslungsreichen Futterpflanzen, die den individuellen Bedürfnissen gerecht

werden können, ist beschränkt. Die Zeit, in der der Pferde kräuterreiche Wiesen oder unkultiviertes Land beweiden, ist lange vorbei.

Die meisten unserer aufgestallten Pferde scheinen diese angeborene Fähigkeit, zu entscheiden, welches Heilkraut wann nützlich sein kann, weitgehend verloren zu haben. Sie müssen mit dem auskommen, was wir Besitzer ihnen anbieten.

Obwohl die meisten von uns unsere Pferde innig lieben und alles tun würden, um sie fit, gesund und zufrieden zu halten, kommt es vor, dass wir ihnen etwas geben, was ihnen nicht gut tut, sogar Krankheiten verursachen kann, ohne das es bemerkt wird.

Immunsystem

Das Pferd hat ein erstaunliches Abwehrsystem gegen Bakterien, Mikroben, Viren, Toxine und Parasiten. Zum Beispiel, seine Haut ist die primäre Grenze zwischen Keimen und Körper.

Ein Insekt sticht das Pferd und die Haut reagiert mit einer juckenden Beule. Hier wird das gesunde Immunsystem aktiv, das das Pferd schützt. Das Immunsystem wird durch Stress, Toxine (Futtermittel, Umwelt und Medikamente), Allergene, übermäßige UV-Aussetzung (im Hochsommer ohne schattigen Schutz), virale / bakterielle Infektionen, verkehrte Fütterung, Altern und Genetik be- und überbeansprucht.

Des Pferdes Immunsystem hat seinen Sitz im Darm

Es ist besonders wichtig zu beachten, dass sich beim Pferd über 70% der Immunzellen im Darm befinden - daher solltest Du der Darmgesundheit Deines Pferdes besondere Aufmerksamkeit widmen! Eine stabile und ausgeglichene Darmflora und eine intakte Darmschleimhaut sind für eine gut funktionierende Immunabwehr von enormer Bedeutung! Die Darmflora kann durch hygienisch einwandfreies Futter, ausreichende Fütterung mit hochwertigem Heu sowie eine bedarfsgerechte Versorgung mit geeignetem Kraftfutter und passenden Kräutern im Gleichgewicht gehalten werden. Nur so kann die Darmflora bestimmte Vitamine produzieren (B-Vitamine, C und K).

Kräuter unterstützen die Funktionen des Immunsystems

Für Pferde als Herbivoren spielen Kräuter eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Einzelkräuter & Mischungen können als Kuren, zur gezielten Versorgung oder nachsorgenden Unterstützung einer tierärztlichen Behandlung eingesetzt werden.

Unterstützen kannst Du Dein Pferde bei "einfachen Problemen" immer wieder mit Kräutern, deren Wirkung auf dem Gebiet nachgewiesen ist. Melisse, Passionsblume und Baldrian eignen sich zB sehr gut, leichte Unruhe oder Nervosität in den Griff zu bekommen, wenn keine ersichtlichen Ursachen zu finden sind. Bedenke aber, dass diese Kräuter eine Anlaufzeitzeit von mind. 4 bis 6 Wochen haben, es nützt somit herzlich wenig, wenn Du Deinem Pferd 2 Tage vor einer beängstigen Hängerfahrt diese Kräuter ins Futter gibst.

Kräuterbeispiele

Zu Zeiten des energiezehrenden Fellwechsels kannst Du Dein Pferde mit stimulierenden, die Abwehrkräfte stärkenden Kräutern unterstützten. Diese Kräuter wirken auf das gesamte Immunsystem wie Haut, Lymphe, Niere und Darm ein. Es bieten sich insbesondere Zistrose, Echinacea (Sonnenhut), Hagebutten, Schwarzkümmelsamen, Taigawurzel, Goldrute, Brennnessel, Mariendistel und Artischocke an.

Ebenso kannst Du leichte Mineralien Defizite gut mit Kräutern ausgleichen:

ein Zinkmangel kann mit Petersilienblättern und Stengeln, Rosmarin, Thymian, Kümmel und Salbei behoben werden.

Einen leichten Selenmangel bekommst Du mit Thymian, Oregano, Kurkuma und

Kümmel wieder in den Griff, ebenso eignen sich Chia Samen, Leinsamen und Sonnenblumenkerne, auch wenn man diese nun nicht zu den Kräutern zählt.

 

Du solltest einiges an Wissen mitbringen oder dich von einem fundierten Praktiker beraten lassen, bevor Du Deinem Pferd Kräuter fütterst. Sicher, viele Heilkräuter haben keinerlei Nebenwirkungen, auch nicht bei

Überfütterung, zB die Kamille und der Sonnenhut (Echinacea). Aber bei anderen ist die Dosierung und Dauer der Fütterung ein wichtiger Aspekt.

Nehmen wir nur das Beispiel Atemapparat und seine Erkrankungen - es existiert ein Vielerlei an Heilkräutern mit unterschiedlichsten Wirkungen auf die Atemorgane, darunter ua. reizlindernd, schleimlösend, auswurffördernd, entzündungshemmend, anti-bakteriell, anti-viral und befeuchtend. Bei einem trockenen Reizhusten ohne Schleim auf der Lunge solltest Du keinen Thymian einsetzen, sondern eher befeuchtende Kräuter wie das Lungenkraut und Echte Malve.

 

Ein anderes Beispiel ist der Löwenzahn. So manch einer "entgiftet" sein Pferd, welches seit langem unter Durchfall oder starkem Kotwasser leidet, ua. mit Löwenzahn. Jedoch ist gerade dieser in seiner Wirkung sehr stark, und setzt dem ohnehin angegriffenen Darm noch mehr zu. Eine Besserung wird kaum eintreten, im Gegenteil.

 

Einige Kräuter erzielen in Kombinationen mit weiteren ein besseres Ergebnis als mit alleiniger Gabe, andere wiederum wirken derart stark, dass sie nicht zu lange gegeben werden dürfen und noch andere sollte man nicht mit allen möglichen Kräutern zusammen füttern.

 

Nun kommt die Qualität der Kräuter: "Geiz ist geil" sollte hier nicht die ausschlaggebende Komponente sein, ebenso wenig eine hübsche, aufwendige und damit den Preis beeinflussende Verpackung.

 

Es muss auch nicht immer die meist weitaus teurere BIO Ware sein, denn Ph.Eur. Kräuter werden ebenfalls eingehend getestet, bevor sie den europ. Richtlinien für pharmazeutisch entsprechend, als geprüfte oder "Arznei oder Apotheken Qualität" bezeichnet werden dürfen.

Gemahlene Kräuter dürfen nicht mit Ph.Eur. bezeichnet werden, obgleich die geschnittene oder ganze Stammpflanze diesen Stempel trägt. Meist kannst Du aber beim Kräutereinkauf sicher sein, dass die gemahlene Ware aus Apothekenqualität Rohstoff, dem ganzen/geschnittenen Kraut, hergestellt wurde, wenn diese ebenfalls vom Anbieter verkauft wird.

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